Einfach aufbrechen und auf und davon reisen, ist ein Traum, der sich sowohl durch die Menschheitsgeschichte als auch durch mehrere literarische Klassiker wie beispielsweise dem Taugenichts von Eichendorff zieht. Lange Zeit handelte es sich bei dem Verlangen, den Reglementierungen des Alltags einfach ganz spontan für eine kurze Weile zu entfliehen, nur um ein Wunschdenken.
Die moderne Gesellschaft, welche sich durch Flexibilität und Mobilität auszeichnet, macht es jedoch einfach, wenigstens für eine kurze Zeit aus den gewohnten Mustern auszubrechen und neue Orte zu erkunden.
Auf und davon reisen – eine Einführung
Doch woher rührt dieses Bedürfnis genau und warum scheint nur ein Teil der Menschen davon betroffen zu sein? – Die Beantwortung dieser Fragen ist sicherlich nicht leicht. Inwieweit der Wunsch nach Veränderung bei dem Einzelnen ausgeprägt ist, hängt nicht zuletzt von den individuellen Prioritäten, Werten und Wünschen ab.
Während einige Menschen Sicherheit und Stabilität als wichtigste Elemente in ihrem Leben ansehen, ist für andere die Möglichkeit zur Entwicklung die Grundvoraussetzung für das eigene Wohlbefinden. Dazu zählt auch das Motiv der Reise, denn schließlich ist es kein Geheimnis, dass man auf Reisen außergewöhnliche Erfahrungen macht, interessanten Menschen begegnet, fremde Sprachen lernt und sich somit persönlich weiterentwickelt.
Allerdings beschleicht das Bedürfnis, dem Alltag zu entfliehen, oftmals auch Menschen, die sich in der Regel für durchaus sesshaft halten.
Dies geschieht zumeist in Lebenssituationen, welche von Stagnation und Eintönigkeit geprägt sind. Auch akute Probleme wie Beziehungsstress, Unzufriedenheit am Arbeitsplatz sowie der allgemeine Wunsch nach einer Neuorientierung können die Sehnsucht nach einer Luftveränderung herbeiführen.
Auf und davon reisen oder der Traum von der unbekannten Ferne
Doch was genau verbinden wir mit einem spontanen Aufbruch und warum erscheint er uns oftmals als einzige Lösung in einer offenbar ausweglosen Lage? Der Taugenichts Eichendorffs scheint in diesem Zusammenhang eine nahezu zeitlose Hilfestellung bei der Suche nach Antworten zu bieten.
Denn ganz bewusst löst er sich von all den profanen Sorgen, mit welchen sich der Durchschnittsmensch täglich das Leben schwer macht, und entscheidet sich für ein zwar riskantes, aber auch abenteuerliches und kreatives Leben. Geleitet wird er dabei von der ständigen Sehnsucht nach der Ferne. Sobald diese erreicht ist und damit zu dem gewohnten und verachteten Alltag zu werden droht, bricht er wieder in neue Weiten auf, um immer offen für neue Möglichkeiten, Erfahrungen und Begegnungen zu bleiben.
Der Taugenichts tritt seine Reise zu Fuß an, während der moderne Mensch sein Verlangen nach neuen Impressionen auch durch die Inanspruchnahme von Billigflügen, kostengünstigen Busreisen und Mitfahrgelegenheiten stillen kann. Wer auf und davon reist, hofft, in anderen Kulturen Distanz zu den eigenen Problemen zu gewinnen und Anregungen und Alternativen zu dem eigenen Lebensstil zu finden.